6 min read
Von der Theorie zur Praxis: Warum die Digitalisierung in Deutschland ein Stromnetz braucht und nicht nur hübsche Verlängerungskabel
By: Christian Günther
Jan 7, 2026 12:47:43 PM
Von der Theorie zur Praxis: Warum die Digitalisierung in Deutschland ein Stromnetz braucht und nicht nur hübsche Verlängerungskabel
Mein Recap des Circular Tech Forum in Köln - große Visionen zur Nachhaltigkeit und klare Botschaften auf der EMO in Hannover - die Werkbank der Realität, metallisch, laut und auch sehr anders.
Beide Tage gehören zusammen wie Plan und Umsetzung. Und doch klafft dazwischen eine große Lücke. Eine, die wir endlich schließen müssen, wenn wir in der Deutschen Industrie nicht den Anschluss verlieren wollen.
Die Erkenntnis: Circular Economy funktioniert nur mit Datenaustausch, Datenteilen und echter Systemvernetzung. Ohne interoperable Daten entlang des Lebenszyklus - vom Engineering bis zum Recycling - bleiben Materialpässe, Second-Life-Szenarien oder CO₂-Bilanzierungen allein. Wir reden über Datenräume, eindeutige Identitäten, offene Schnittstellen, semantische Standards und verlässliche Governance. Kurz: ein Stromnetz für Daten.
Die Realität auf der Messe: Digitalisierung heißt vielerorts immer noch: Touch-Monitor an der Maschine, CNC-Programme per CAD/CAM-Schnittstelle (Autodesk, Solidworks & Co.) reinspielen - läuft doch. Nur: Das ist, als würde man ein glänzendes Verlängerungskabel in die Wand stecken und glauben, damit sei ein flächendeckendes Energienetz gebaut. Ein Kabel versorgt ein Gerät. Ein Netz versorgt Ökosysteme.
Die Kreislaufwirtschaft braucht Lastverteilung, Redundanz, Standards und Messbarkeit - wie ein Stromnetz. Sie braucht Steckdosen, Spannungen und Sicherungen, die überall gleich funktionieren: über Unternehmensgrenzen hinweg, über Jahrzehnte, über Use Cases. Einzelne Kabel - so praktisch sie im Einzelfall sind - skalieren nicht, sind fehleranfällig und verhindern Marktmechanik (Austauschbarkeit, Wettbewerb, Innovation).
Was heißt das konkret?
Identität vor Interface. Ohne eindeutige, lebenszyklusfeste Identität jedes Produkts/Assets (etwa QR-Code oder NFC-Tag und digitale Referenz nach IEC-61406) gibt es keinen belastbaren Datenfluss. Erst Identität, dann Interoperabilität.
Semantik vor Portal. Ein schönes Frontend ohne semantisch standardisierte Inhalte ist Kosmetik. Die Asset Administration Shell (AAS) mit Submodell-Standards und Datenmodellen für DPP & Co. ist notwendig, um Vernetzung zu automatisieren.
Datenraum vor Datengrube. Dateien ablegen ist kein Teilen. Datenräume mit Policies, Zugriffsrechten und Nachvollziehbarkeit schaffen Vertrauen. Sie ermöglichen, dass Lieferanten, Betreiber, Service und Recyclingakteure gezielt zugreifen, wenn die Daten benötigt werden und nicht einfach auf Verdacht kopieren.
Prozess vor Demo. Ein Showcase auf dem Messestand ist nett. Aber wir brauchen endlich echte Implementierungen im Prozess: Wann entsteht die Instanz? Wer schreibt welche Daten? Wer liest? Welche Policy greift? Wie wird versioniert? Das Netz entsteht, wenn diese Punkte verbindlich werden.
Governance vor Goodwill. Rollen, Verantwortlichkeiten, Haftung und Service Levels; all dies muss real geregelt sein und nicht nur irgendwie gefühlt. Kreislaufwirtschaft ohne Governance ist wie ein Netz ohne Sicherungskasten.
Ich habe in Köln viel über Ziele gehört - und auf der EMO viele Einzellösungen gesehen. Beides ist wertvoll. Aber zwischen Vision und Werkhalle gehört jetzt System-Design:
- Standardisierte Datencontainer (AAS) statt proprietärer Zwischenformate.
- Lebenszyklus-fähige Identitäten statt projektbezogener IDs.
- Freigabefähige Submodelle statt Excel-Im-SharePoint.
- Policies & Consent statt Ad-hoc-E-Mail-Freigaben.
- Produktisierte Services statt „Wir bauen mal was“.
Was sollten mittelständische Hersteller jetzt tun?
Drei Schritte, die tragen:
Scoping mit klarem Ziel: Ein schlanker Sprint, der Use Case + Daten + Systeme + Trigger festnagelt. Ergebnis: ein belastbarer Plan für den ersten MVP: z. B. Umsetzung Digitales Typenschild, abrufbar an der Maschine und dann weitere Informationen, wie technische Daten/Klassifikation, Dokumentation. Weitere Infos zu unseren Dienstleistungen.
Umsetzen des MVP mit echter Generierung: Keine PowerPoint-Prozesse. Eine in den Produktionsprozess integrierte AAS-Generierung, die Daten aus ERP/PLM/Dateisystemen holt, validiert und in der twinsphere bereitstellt.
Skalierung über Datenraum mit Governance: Definition und Implementierung von Rollen und Policies. Anbindung an die kommenden Datenraum-Ökosysteme und dabei weitere Submodelle reinholen (z. B. DPP-relevante Inhalte) und dazu die Lieferantenanbindung. Erst dann Dashboards, KI, „Metaverse“ & Co. - auf einem Netz, das die Last trägt.
Mein Take-away: Wir stehen nicht am Anfang der Technologie - wir stehen am Anfang der Verbindlichkeit. Die Bausteine sind da: AAS als Träger der Semantik, Datenräume für Vertrauen, DPP als regulatorischer Taktgeber. Was fehlt, ist der Mut, vom Verlängerungskabel auf’s Netz umzuschalten - unternehmensweit, lieferkettenweit, lebenszyklusweit.
Bei conplement AG tun wir genau das. Wir machen Praxis und echte Umsetzung. Daher lassen Sie uns reden und den Sicherungskasten planen - bevor wir noch mehr Kabel ziehen.
Vom Verlängerungskabel zum belastbaren Datennetz. Jetzt.
Wenn Sie nicht weiter über Digitalisierung reden wollen, sondern konkret starten möchten, dann beginnen Sie mit einem sauberen Scoping.
Kein Showcase. Kein Buzzword-Projekt. Sondern im nächsten Schritt ein belastbarer MVP mit klarer Zielsetzung, Datenlogik und Governance.
👉 Sprechen Sie direkt mit dem Autor und Produktmanager Christian Günther
und klären Sie :
-
welchen Use Case Sie wirklich brauchen
-
welche Daten entstehen, wo sie herkommen und wohin sie müssen
-
und wie daraus ein skalierbares, lebenszyklusfähiges System wird
Jetzt Kontakt aufnehmen und Scoping starten.
Bevor noch mehr Kabel gezogen werden.

Christian Günther
Senior Portfolio Manager
Produktmanager twinsphere