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Vom Papierstapel zur Datenkette: Wie Omnibus IV, VDI 2770 und twinsphere die Produktinformation transformieren

Geschrieben von conplement | Dec 9, 2025, 3:33:41 PM

 

Stellen Sie sich vor: Ein Anlagenbetreiber sucht mitten in der Nacht nach der Betriebsanleitung für eine Pumpe. Früher bedeutete das, den Archivschrank aufzumachen, Ordner durchzublättern und zu hoffen, dass das richtige Dokument in der richtigen Version irgendwo abgeheftet ist. Heute genügt ein einziger Scan und der QR-Code auf dem Gerät führt direkt zur aktuellen sowie validierten Dokumentation und das strukturiert, maschinenlesbar und jederzeit verfügbar.

Was wie ein kleines technisches Detail klingt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines fundamentalen Wandels, der gerade die gesamte Industrie erfasst. Drei Kräfte treiben ihn voran: der regulatorische Druck durch das Omnibus-IV-Paket, der technische Standard VDI 2770 und die Umsetzungsplattform twinsphere von conplement. Zusammen formen sie eine neue Realität für die digitale Produktinformation.

 

Vom Papierstapel zur Datenkette.

 



 

Omnibus IV: Wenn Brüssel den Schalter umlegt

Am 24. September 2025 billigte der Ausschuss der Ständigen Vertreter (COREPER II) die Verhandlungsposition des Rates zum Omnibus-IV-Paket und am 9. Juni 2026 erzielten Rat und Europäisches Parlament eine vorläufige Einigung über die Regelungen zur Digitalisierung und zu gemeinsamen Spezifikationen.Was sich auf den ersten Blick wie ein weiterer Brüsseler Verwaltungsakt liest, hat jedoch weitreichende Konsequenzen für jeden Produkthersteller in Europa. Das Paket soll den Digital-by-Default-Ansatz in zahlreichen Bereichen des europäischen Produktrechts verankern – und damit in der täglichen Praxis von Herstellern, Integratoren und Betreibern.

Die Kernbotschaft ist dabei so klar wie selten in der EU-Gesetzgebung: Produktinformationen müssen künftig digital, verlinkt und maschinenlesbar bereitgestellt werden. Papier bleibt die Ausnahme, und auch nur dort erlaubt, wo Sicherheitsinformationen es zwingend erfordern. Alles andere wandert vom Analogen ins Digitale. Ausgenommen davon sind jedoch Sicherheitsinformationen, die weiterhin auf dem Produkt oder in Papierform bereitgestellt werden müssen. 

 

Was sich konkret ändert

Damit macht Omnibus IV erstmals den digitalen Lebenszyklus von Produktdaten beginnend von der Entwicklung über den Betrieb bis hin zur Kreislaufwirtschaft zur gesetzlichen Regelung. Für Hersteller, die heute noch auf analoge Dokumentationsprozesse setzen, ist das eine konkrete Aufforderung jetzt handeln zu müssen

 

VDI 2770: Die technische Sprache hinter dem Gesetz

Regulatorische Anforderungen allein schaffen noch keine Ordnung. Sie brauchen eine technische Grundlage, die klar definiert, wie digitale Produktinformationen konkret aussehen, strukturiert und übergeben werden sollen, sonst bleibt jede Compliance-Pflicht Wunschdenken. Genau diese Grundlage liefert VDI 2770.

Die Richtlinie VDI 2770 Blatt 1 „Betrieb verfahrenstechnischer Anlagen – Mindestanforderungen an digitale Herstellerinformationen für die Prozessindustrie" wurde im April 2020 veröffentlicht und hat sich seitdem als technischer Standard für die digitale Dokumentationsübergabe in der Industrie etabliert. Sie beantwortet die Fragen, die das Gesetz offen lässt. So zum Beispiel: Welche Dokumente müssen übergeben werden? In welchem Format? Und mit welchen Metadaten?

 

 

Was VDI 2770 konkret regelt

Im Kern definiert die Richtlinie drei Dimensionen, die zusammen ein vollständiges Bild ergeben. Zunächst die Klassifikation. Dabei werden Dokumente in vier Gruppen und zwölf Kategorien eingeteilt, die sich am Dokumenttyp und am Produktlebenszyklus von der Konformitätserklärung über Wartungsanleitungen bis hin zu technischen Spezifikationen orientieren. Dazu kommen standardisierte Metadaten, die jedes Dokument eindeutig beschreiben und maschinelle Verarbeitung sowie automatische Zuordnung erst möglich machen. Schließlich folgt das Containerformat. Hier erfolgt die Übergabe in einem klar definierten ZIP-Archiv, das PDF/A-Dokumente und XML-Metadaten enthält und systemübergreifend lesbar ist.

Das Ergebnis dieser drei Bausteine sieht vor, dass das VDI 2770 regulatorische Anforderungen in maschinenlesbare Ordnung übersetzt. Dokumente aus verschiedenen Systemen und von verschiedenen Herstellern lassen sich erstmals einheitlich verarbeiten, verknüpfen und langfristig verfügbar halten, ganz ohne manuelle Nacharbeit oder Medienbrüche. 

 

VDI 2770 als Brücke zum Digitalen Produktpass

Besonders relevant wird VDI 2770 im Zusammenspiel mit dem Digitalen Produktpass (DPP). Das Omnibus-IV-Paket fordert nämlich, dass Produktinformationen in den DPP integriert oder über ihn zugänglich gemacht werden. VDI 2770 liefert dafür genau die strukturelle Grundlage, die es braucht, damit standardisierte Dokumentklassen, definierte Metadaten und ein interoperables Containerformat sich nahtlos in bestehende Systemlandschaften einfügen.

Wer VDI 2770 heute implementiert, legt damit also nicht nur die Grundlage für Compliance, sondern gleichzeitig auch die technische Basis für DPP-Readiness und ist damit nicht nur auf der sicheren Seite des Gesetzes, sondern auch strategisch gut aufgestellt. 

 

VDI 2770 als Brücke zum Digitalen Produktpass

Mit unserer Plattform twinsphere haben sie genau diesen strategischen Vorteil, denn es verbindet die drei Ebenen, die für eine durchgängige digitale Datenkette entscheidend sind, zu einem kohärenten Ganzen. Jedes Produkt erhält über IEC 61406 eine eindeutige digitale Kennung und der QR-Code auf dem Gerät wird zum Einstiegspunkt in die gesamte Dokumentationswelt. Auf dieser Identität aufbauend sorgt VDI 2770 für Struktur, indem Informationen geordnet, verknüpft, versioniert und in validierten Containern bereitgestellt werden. Darüber hinaus liegt über allem eine durchdachte Governance-Schicht, die Zugriffsrechte, Nachvollziehbarkeit und Langzeitverfügbarkeit für Audit-Readiness und Compliance sicherstellt. 

 

 

Von der manuellen Pflege zum automatisierten Datenfluss

Was früher manueller Pflege bedurfte wird mit twinsphere zum automatisierten Prozess. Herstellerdokumente werden automatisch nach VDI 2770 generiert, Produkte über QR-Codes nach IEC 61406 eindeutig identifiziert und der gesamte Workflow nahtlos in den DPP4.0-Prozess zwischen Lieferant, Integrator und Betreiber integriert. Zudem laufen Versionierung und Governance im Hintergrund mit, ohne dass jemand aktiv daran denken muss.

Das Ergebnis ist ein durchgängiger und lückenloser Datenfluss vom physischen Produkt bis zum Digitalen Produktpass. Dokumente werden nicht mehr manuell gesammelt, sondern als Teil einer lebendigen digitalen Datenkette erzeugt, validiert und bereitgestellt. Das alles automatisch, nachvollziehbar und dauerhaft verfügbar.

 

 

Digital by Default in der Praxis

 Mit twinsphere wird der Digital-by-Default-Ansatz des Omnibus IV greifbar und erlebbar. Vom AAS-Teilmodell „Handover Documentation" über den validierten VDI-2770-Container bis zur Bereitstellung über die Digital Data Chain entsteht eine Prozesskette, die keine Medienbrüche kennt und keine manuellen Eingriffe erfordert. Was früher manuell gepflegt wurde, wird heute digital standardisiert, maschinenlesbar und kreislauffähig, von der ersten Inbetriebnahme bis zum Ende des Produktlebenszyklus. 

 

Fazit: Von der Pflicht zur strategischen Chance

Das Omnibus-IV-Paket schafft den rechtlichen Rahmen, VDI 2770 definiert die technische Sprache und twinsphere macht daraus gelebte Praxis. Zusammen bilden diese drei Bausteine eine Architektur, die digitale Produktinformation als strategische Chance begreift.

Digital by Default ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern der neue Standard. Wer heute seine Produktinformation strukturiert und digitalisiert, schafft die Basis für DPP-Readiness, für mehr Autonomie in der Produktion und für echte Wertschöpfung in Verbindung mit der eigenen Datenkette. 

 

Eure digitale Datenkette mit twinsphere

conplement begleitet Unternehmen bei der Umsetzung des Digital-by-Default-Ansatzes – von der Analyse der bestehenden Dokumentenlandschaft bis zur Integration in vorhandene Systeme. twinsphere verbindet die rechtliche Vorgabe des Omnibus IV mit der technischen Präzision der VDI 2770 und schafft so eine Datenkette, die Unternehmen audit-sicher, effizient und DPP-ready macht.

👉 Erfahren Sie mehr über twinsphere und VDI 2770

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