conplement AG

IoT – Herausforderung für Unternehmer, Chance für Unternehmen

(Auszug aus einem Artikel für ein Themenspecial der Zeitschrift Objektspektrum; verfasst von Thomas Hemmer, CTO der conplement AG)

Dem Internet der Dinge (IoT) kann man derzeit kaum aus dem Weg gehen. Keine Frage – dieses Thema ist in der „Buzzword“-Liga ganz oben angekommen. Dort, im Olymp der abgegriffenen Schlagworte, tummeln sich auch schon die Digitalisierung, die Transformation und die Disruption. Im „Hype Cycle for Emerging Technologies 2015“ von Gartner setzen die Analysten IoT nach 2014 erneut auf dem Höhepunkt der überhöhten Erwartungshaltung.

Kommt jetzt erst die lange Durststrecke der Desillusionierung bis sich die hohen Erwartungen konkret in Geschäftserfolgen niederschlagen? Können sich die von den Modewellen der IT-Industrie Leidgeprüften nun berechtigt abwenden und warten, bis sich der Hype um IoT gelegt hat?

Wir sehen vor allem für die Hersteller von vernetzbaren Produkten hohen Handlungsdruck. IoT ist nicht einfach ein „Nachrüst-Set“ für bestehende Produkte. Das Internet der Dinge erzwingt von Herstellern einen Wandel in vielen Bereichen.


Bevor wir dies an einem konkreten Einsatzszenario nachvollziehen, klären wir zunächst die Begrifflichkeiten. Leider ist es den Modethemen inne, dass ein Begriff für verschiedene Gruppen in verschiedenen Kontexten Verschiedenes bedeutet. In diesem Artikel ist das Internet der Dinge im Kern zu verstehen als die Vernetzung von Produkten (Geräten, Maschinen) mit anderen Produkten und Systemen (Smartphones, Leitzentralen, Webdiensten) mittels Internetprotokollen unter Nutzung der weltweiten Internet-Infrastruktur.

Für die Einschätzung der Möglichkeiten und Herausforderungen im Internet der Dinge ist es wichtig, sich nicht auf Trivialfälle wie „Toaster spricht über WLAN mit dem Smartphone“ zu begrenzen. Für das Internet der Dinge ist Voraussetzung, dass Hersteller diese Dinge über das Internet vernetzbar machen. Erst dann ergeben sich große neue Wertschöpfungs- und Differenzierungspotenziale für diese Hersteller, die Anwender und die beteiligten Ökosysteme dazwischen (Händler, Partner etc.). Dieser Artikel bezieht sich auf die Hersteller dieser Dinge, im Folgenden als Produkthersteller bezeichnet.

Bedeutung, Chancen und Risiken von IoT für Hersteller

Eine von der conplement AG gemeinsam mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) in 2014 durchgeführte IoT-Studie hat ergeben, dass erstaunlich viele der befragten Unternehmen keine IoT-/M2M-Funktionalität in ihren Produkten implementiert haben und über 40 % dieses Thema auch nicht vorantreiben. Das Thema war also zumindest damals noch nicht durchschlagend in den Initiativen der deutschen produzierenden Industrie angekommen. Interessanterweise waren die beiden meistgenannten denkbaren Einsatzszenarien unter den Befragten „Ferndiagnose/Monitoring“ und die darauf aufbauende „Predictive Maintenance“.

Natürlich ist das Internet der Dinge in den Entwicklungen der Konsumgüterhersteller deutlich präsenter. Doch auch für Hersteller im industriellen B2B-Umfeld sollte längst alarmierender Handlungsdruck herrschen. Denn die Diagnose ist klar: Das Internet der Dinge ist nur eine Facette eines größeren Bildes. Die übergeordnete Veränderung ist die Digitalisierung und diese erfasst unsere Gesellschaftsstrukturen und alle darin handelnden Akteure.
Es herrscht weitgehende Einigkeit, dass die Digitalisierung die große Veränderung unserer Zeit ist. Ähnlich wie die disruptive Veränderung durch die Industrialisierung von zeitnahen und aufeinander aufbauenden Innovationen (Dampfmaschine, Elektrifizierung etc.) getrieben wurde, treibt das Internet der Dinge als eine solche Innovation die Digitalisierung voran. Technologische Veränderungen werden in der Literatur hinsichtlich ihrer zeitlichen Abfolge (Technologie-Lebenszyklus) und ihres Leistungspotenzials oft anhand von S-Kurven beschrieben [3].

Quelle:  Diagramm S-Kurven-Konzept von Prof. Dr. Martin G. Möhrle / Prof. Dr. Dieter Specht [4]- Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: S-Kurven-Konzept, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/82555/s-kurven-konzept-v6.html. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0]

Abb: „S-Kurven-Konzept“ von Prof. Dr. Martin G. Möhrle / Prof. Dr. Dieter Specht

[Quelle: Diagramm „S-Kurven-Konzept“ von Prof. Dr. Martin G. Möhrle / Prof. Dr. Dieter Specht [4]- Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: S-Kurven-Konzept, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/82555/s-kurven-konzept-v6.html. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0] 

Wir befinden uns also in der Logik dieses Modells derzeit in den „Nachwehen“ der letzten Veränderungswelle, in der die bisher erfolgreichen Marktakteure weiterhin inkrementelle Verbesserungen erzielen. Neue Technologien und damit oft auch neue Unternehmen erscheinen am Markt, liefern aber im Vergleich für längere Zeit keinen Mehrwert. Sobald jedoch die Veränderungen zunehmend und in sehr kurzer Zeit mehr Durchschlagskraft unter Beweis stellen, werden die vormalig führenden Technologien und Akteure schnell abgelöst. Ein gutes Beispiel einer solchen sich abzeichnenden Veränderung bietet aktuell der 3D-Druck im Vergleich zur klassischen zerspanenden oder formenden Metallbehandlung. Hier schickt sich eine Durchbruchstechnologie an, unsere Gesetzmäßigkeiten von machbaren Konstruktionen und unsere Produktionslogik in wenigen Jahren komplett umzuwälzen. Die Digitalisierung geht mit einem Bündel solcher neuen technologischen Machbarkeiten einher und entfaltet daher ein enormes, kumuliertes Potenzial.

Davon sind verschiedene Branchen bereits stark erfasst. Handel, Banken und Versicherungen arbeiten mit Hochdruck an der Erneuerung ihrer Geschäftsmodelle. Die bereits zitierte Studie lässt den Schluss zu, dass die deutschen Produkthersteller noch nicht tiefgreifend genug handeln, um in Zeiten der Digitalisierung erfolgreich zu bleiben. IoT ist nicht einfach ein neues Feature im Produkt. IoT ermöglicht neue bzw. erweiterte Geschäftsmodelle und wird in kurzer Zeit die Beziehung zwischen Produzent, Händler, Kunde und Anwender verändern. Dadurch verschieben sich Differenzierung und Wettbewerbsvorteil der einzelnen Hersteller immer weiter weg von den physischen Produkteigenschaften hin zu vernetzten Software-Ökosystemen. Wenn ein Produkthersteller sich mit dem Internet der Dinge effektiv auseinandersetzen will, muss dies also im Kontext einer Digitalisierungsstrategie auf Ebene der Geschäftsleitung erfolgen.

Um in dieser Logik einer neuen Differenzierung erfolgreich zu sein, muss ein Produkthersteller neue Kompetenzen aufbauen. Software, Daten und Vernetzung muss er sehr schnell ebenso gut beherrschen wie bisher z.B. Konstruktion und Produktionsautomatisierung. Apropos schnell – durch den disruptiven Charakter der Veränderung sind auch die bisherigen Abläufe in den Unternehmen zügig anzupassen. Strategieprozesse, Organisationsentwicklung und Produktentwicklung müssen miteinander verzahnt und stark beschleunigt werden. Nötig sind adaptive, agile Vorgehensweisen, mit denen permanent und verlässlich durch Software, Daten und Vernetzung neuer „Wert“ zum Kunden transportiert werden kann.

Die viel zitierte Startup-Kultur hat hier neue Methoden hervorgebracht, die Produkthersteller schnellstens in ihren Werkzeugkasten integrieren müssen. Es gibt auch in der deutschen Industrie Vorreiter, die diese in der Software- und Entrepreneur-Szene entwickelten Tools in großen Unternehmen einsetzen und auf die Entwicklung komplexer Maschinen mit Systemen aus Mechanik, Elektrik, Elektronik, Steuerung und Software ausdehnen. Methoden wie Design Thinking, Lean Coffee, World Café oder Fishbowl beschleunigen Kreativprozesse und das Treffen komplexer Entscheidungen unter Einbeziehung Vieler.

Laden Sie hier den kompletten Artikel als PDF herunter. Im Weiteren wird dort anhand eines konkreten Anwendungszenarios erläutert, zu welchen Konsequenzen die entstehenden strategische Schlüsselfragen und Hypothesen führen und welche Rolle cloud-basierte IoT-Plattformen spielen.


Der Autor

conplement AG

Thomas Hemmer
Chief Technology Officer

Kontakt
thomas.hemmer@conplement.de
Tel.: +49 911 25 50 976 0


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